|
Der Kanton Schaffhausen liegt mit seinen Stipendienausgaben von durchschnittlich 17 Franken pro Einwohner im schweizerischen Vergleich auf dem letzten Platz. Andere Statistiken vermitteln jedoch ein differenzierteres Bild.
Marco Planas
Seit dem Jahr 2004 veröffentlicht das Bundesamt für Statistik jährlich die 'Statistik der kantonalen Stipendien und Darlehen.' Darin ist ersichtlich, dass die Kantone 1993 insgesamt 321 Millionen Franken für Stipendien und 35 Millionen für Darlehen aufwendeten. Die neuesten Zahlen ergeben folgendes Bild: Insgesamt gaben die Kantone im Jahr 2008 rund 276 Millionen Franken für Stipendien und 27 Millionen Franken für Darlehen aus. Unter Berücksichtigung der Inflation hat der Gesamtbetrag der kantonalen Stipendien damit in den letzten 15 Jahren um rund 25 Prozent abgenommen.
Weil die Vergabe zurzeit noch kantonal unterschiedlich geregelt ist, ergibt sich ein sehr heterogenes Bild, was die Ausbildungsbeiträge betrifft. Diese variieren von Kanton zu Kanton erheblich. Während die durchschnittlichen Stipendienbeiträge pro Kopf der Bevölkerung im Jura beispielsweise 87 Franken betragen, sind es in Schaffhausen gerade einmal 17 Franken. Damit liegt Schaffhausen im schweizweiten Vergleich abgeschlagen auf dem letzten Platz.
Zahlen mit Vorsicht geniessen Durchschnittlich belaufen sich die Stipendienbeiträge der Schweizer Kantone auf 36 Franken pro Einwohnerin und Einwohner. Mit seinen 17 Franken liegt der Kanton Schaffhausen mehr als die Hälfte unter dem Schweizer Mittelwert. Doch diese Zahlen sind mit Vorsicht zu geniessen, sagt Peter Salathé, Fachstellenleiter der Stipendienstelle Schaffhausen: 'In dieser Statistik wird das Total der Stipendienausgaben auf die gesamte Bevölkerung verteilt. Das sagt höchstens etwas über die Anzahl der Stipendiengesuche aus, nicht aber über die effektiven Stipendienbeiträge.' Diese Aussage wird bestätigt, wenn man die anderen Ergebnisse der 'Statistik der kantonalen Stipendien und Darlehen' betrachtet: In Schaffhausen beträgt der Anteil an Stipendienbezügern gemessen an der Gesamtbevölkerung lediglich 0,4 Prozent bei einem schweizerischen Durchschnitt von 0,7 Prozent. In Graubünden und im Jura sind es hingegen 1,5 Prozent. Kein Wunder also, dass in diesen Kantonen deutlich mehr Stipendien pro Einwohnerin und Einwohner gesprochen werden.
Um die Stipendienleistungen besser beurteilen zu können, empfiehlt sich ein Blick auf die Statistik der effektiv ausbezahlten Beiträge. Dort zeigt sich Folgendes: Die 267 Schaffhauser Stipendienbezügerinnen-/ und bezüger erhielten durchschnittlich jeweils 3636 Franken pro Semester. Damit liegt Schaffhausen im kantonalen Vergleich im vorderen Mittelfeld, deutlich über dem Schweizer Durchschnitt von 3233 Franken pro Semester.
Auch Regierungsrat Christian Amsler betont die Notwendigkeit, bei der Beurteilung der Stipendiensituation verschiedene Faktoren zu berücksichtigen. 'Es ist natürlich unbefriedigend, dass wir bei den Stipendienbeiträgen pro Kopf der Bevölkerung abgeschlagen auf dem letzten Platz liegen. Da gibt es nichts zu beschönigen. Fairerweise muss man aber auch einen Blick auf die einzelnen Stipendienbeiträge werfen. Dort kann Schaffhausen durchaus mit den anderen Kantonen mithalten.'
Auch Amsler glaubt, dass das schlechte Abschneiden mit der niedrigen Anzahl von Stipendienanträgen zu tun haben könnte: 'Stipendien gibt es ja nicht nur für Absolventinnen und Absolventen von Hochschulstudien, sondern auch für Ausbildungen auf der Sekundarstufe II, also beispielsweise bei Berufslehren oder höheren Fachschulen. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass diese verschiedenen Möglichkeiten, einen Stipendienantrag zu stellen, in der Bevölkerung nicht genug bekannt sind. Hier können wir uns in den kommenden Jahren noch deutlich verbessern.'
Recht in Anspruch nehmen Auf Bundesebene laufen derzeit Bemühungen, die Stipendien mit Hilfe einer 'interkantonalen Vereinbarung zur Harmonisierung von Ausbildungsbeiträgen' zu vereinheitlichen und gemeinsame Mindeststandards festzulegen. 'Eine Harmonisierung ist grundsätzlich sehr sinnvoll und würde vieles vereinfachen, natürlich auch für die Antragsteller. Diese würden dann bei einem allfälligen Wohnortswechsel vergleichbare Bedingungen vorfinden. Dies ist heute leider nicht der Fall', sagt Peter Salathé.
Dem neuen 'Stipendien-Konkordat' beigetreten sind bisher Basel-Stadt, Fribourg und Graubünden. Damit das neue Abkommen in Kraft treten kann, braucht es allerdings die Partizipation von zehn Kantonen.
Schaffhausen hat sich bisher noch nicht für einen Beitritt entschieden, obwohl das aktuelle Stipendienrecht seit über einem Jahr überarbeitet wird. Dabei habe man die im Konkordat vorgesehenen Harmonisierungsstandards jedoch immer berücksichtigt, erklärt Erziehungsdirektor Christian Amsler: 'Noch Ende diesen Jahres werden wir im Kantonsrat die Überarbeitung des Stipendiengesetzes sowie den möglichen Beitritt zum Konkordat diskutieren. Ich bin überzeugt, dass eine Harmonisierung des Stipendienrechts viele Vorteile mit sich bringen würde.'
Von einem allfälligen Konkordats-Beitritt erhofft sich Amsler eine Verbesserung der Rahmenbedingungen für die einzelnen Antragstellerinnen und Antragsteller. Um in den Statistiken künftig besser abzuschneiden, müsse sich der Kanton zudem vermehrt darum bemühen, die Bevölkerung über ihre Möglichkeiten zu informieren. 'Wir möchten natürlich, dass alle Schaffhauserinnen und Schaffhauser ihr Recht in Anspruch nehmen. Wenn es ihnen zusteht, sollen sie bei ihrer Ausbildung auch vom Kanton unterstützt werden. Das ist im Sinne aller Beteiligten.'
|